Nachdem uns Johanna für einen knappen Monat in Deutschland besucht hat, sind wir gemeinsam für knapp zwei Wochen durch China gereist.

Bei meinem letzten Besuch 2009 hatten wir vor allem februarkalte, graubraune Städte in Nordchina besucht. Daher hatten wir im Rahmen dieser zweiten Reise einen Inlandflug von Beijing nach Kunming (Südchina) und von dort einen weiteren zurück in den Norden nach Shenyang gebucht.

Wir starten am Mo, dem 15.2. vormittags von Berlin Schönefeld und fliegen der Uhr entgegen, bis wir (nach einer Zwischenlandung in Moskau) Dienstag morgen in Beijing landen.

Beijing

Ankunft

Erste Eindrücke: Erst einmal fast keine - wir sind hundemüde und schlagen uns erst einmal zur Herberge durch. Wir schleppen nicht nur Reisegepäck für zwei Wochen durch die Gegend, sondern auch alles, was nach Johannas einziger Heimreise im ganzen Jahr eben so bewegt werden muss, und sind entsprechend schwer beladen.

Wenn ich an meinen Kulturschock von vor sieben Jahren denke, kommt mir unsere Ankunft insgesamt im ersten Moment fast banal vor: Das U-Bahn-System ist fast wie in Berlin, nur moderner und im Fahrgast-TV laufen Sicherheitsbelehrungen und lustige Katzenvideos statt Werbung und Nachrichten. Wir kommen in der Nähe des Tian'anmen-Platz unter, wo wir bereits beim letzten Mal wiederholt unterwegs waren, so dass ich mich ganz gut orientieren kann.

Nachdem wir unsere Herberge gefunden und eingecheckt haben, laden wir erst einmal unser Gepäck ab.

Direkt vor dem Fenster ist eine Mauer, darum ist es recht dunkel. Hinter der Mauerecke rechts im Bild verbirgt sich das Bad. Wir verbringen etwas Zeit damit, uns über die ausgeschaltete Heizung zu ärgern, bis uns klar wird, daß in der Übergangszeit die Klimaanlage zum Heizen benutzt wird.

Das Wetter ist kühl, aber strahlend schön. Wir ziehen erst einmal los, um Geld zu holen und finden eine Bank an einem großen Boulevard, direkt am Tian'anmen-Platz.

Anschließend gehen wir erst einmal einfach spazieren und schauen uns die Gegend an.

Wie beim letzten Mal liegt unsere Herberge in einem Hutong, das sind historische Siedlungsviertel, von denen es in Beijing noch recht viele gibt - vor allem, da man offenbar mittlerweile ihren touristischen Wert erkannt hat.

Nein, das Foto ist nicht gestaucht - das Auto sieht wirklich so aus. Gerade hier in den Hutongs sind diese schmalen Elektromobile extrem verbreitet. Hinter den Mauern links und rechts verbergen sich kleine Wohnkomplexe, die jeweils um einen Innenhof gruppiert sind.

Dinge des täglichen Bedarfs werde vor allem in winzig kleinen Supermärkten verkauft, welche fast identisch mit hiesigen Spätis sind.

Stromleitungen werden in diesen Vierteln offenbar recht ...willkürlich gespannt, ein Anblick, welchem wir in den Hutongs immer wieder begegnen werden.

Nachdem der Reisestress jetzt etwas abgeklungen ist, komme auch langsam Urlaubsstimmung auf. Wir genießen es, einfach durch die Gegend zu schlendern, Eindrücke zu sammeln und uns etwas zu verlaufen.

Google Maps funktioniert in China natürlich erst einmal nicht, aber Johanna hat längst einen entsprechenden Ersatz organisiert.

Ein paar Eindrücke

Beijing (und chinesische Städte allgemein) sind lauter als ich es gewohnt bin. Die meisten Ladenbesitzer preisen ihre Waren lauthals an (wenn nicht selbst, dann vom Band) oder haben zumindest Musik in die Tür gestellt.
Außerdem gibt es viel mehr Gerüche - meist nach Essen, mal nach Kanalisation, gelegentlich nach etwas Undefinierbarem.

Wie bereits erwartet, ist das Essen für mich erst einmal wieder eine Herausforderung. Zum Glück hat Johanna viel Erfahrung darin, gutes Essen zu finden und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kann ich ganz gut abschätzen, was mir schmeckten könnte.

Was sich im Vergleich zu meinem letzten Besuch spürbar verändert hat, ist der Straßenverkehr:
Während dieser vor sieben Jahren noch mit einem endlosen Strom von Fahrrädern durchsetzt war, sind diese mittlerweile fast ausnahmlsos zu Elektrorollern mutiert.

Da die etwas mehr Platz brauchen, hat man die Fahrradwege durch, nun ja, Motorradwege ersetzt: Links und rechts der Straßen ist einfach durchgehend ein Fahrstreifen mit Absperrgattern abgetrennt, so dass die unzähligen Roller auch nicht im Stau stehen.
Und das führt dazu, dass es wirklich viele von ihnen gibt.

Sommerpalast

Am zweiten Tag wollen wir uns mit einer Kollegin von Johanna treffen, die gerade auch in Beijing Urlaub macht, und uns den Sommerpalast anschauen.

Offenbar wurde den chinesischen Herrschern die Verbotene Stadt irendwann doch etwas unbequem (da ich dort war, kann ich das nachvollziehen: Praktisch zum Regieren und sehr repräsentativ - aber nicht unbedingt wohnlich...), daher wurde eine Sommerresidenz angelegt und im Verlauf der Jahrhunderte kontinuierlich erweitert.

Da es in unserer Herberge außerhalb der Saison kein Frühstück gibt, holen wir uns noch etwas Gebäck und Tee im Straßenverkauf, bevor wir uns auf den Weg machen.

Um uns mit Jamaica zu treffen, fahren wir mit der U-Bahn zu ihrem Hotel. Hier gibt es keine Hutongs, weshalb die hiesige Ecke vielleicht etwas repräsentativer ist für eine klassische chinesische Großstadt.

Ohne Worte:

Jamaica ist eine Kollegin von Johanna an der Universität in Shenyang und arbeitet dort als Englischlehrerin.

Da wir den Großteil des Urlaubs nur zu zweit unterwegs sind, ist es ziemlich angenehm, einmal einen Tag in guter Gesellschaft zu verbringen.

Zu dritt unterwegs zu sein, hat au├čerdem den Vorteil, dass es mal ein Foto von uns Beiden gibt:

Der Sommerpalast ist eigentlich ein riesiger Park, der rund um einen See angelegt wurde. Auf dem Gelände gibt es diverse Palastanlagen, unzählige Touristen, aber auch viele Beijinger Anwohner, welche einfach das schöne Wetter genießen wollen.

Um zum See zu gelangen, müssen wir erst über einen Berg steigen, auf dem ein Palast sitzt. Von hier aus häte man eine wunderbare Aussicht, wenn es über Beijing nicht so diesig wäre.

Ich genieße trotzdem meine Aussicht:

Der Palast selbst fügt sich wunderschön an den Hang und unter die Nadelbäume.

Ein aufwändig verzierter Wandelgang unten am See.

Da wir Zeit haben und die Sonne scheint, entscheiden wir uns, einmal rund um den See zu laufen. Außerdem ist es hier weitläufig genug, daß sich die Touristenströme etwas ausdünnen, was ganz angenehm ist.

Es gibt mehrere Kanäle, deren Brücken auch problemlos als Berge durchgehen würden:

Nein, das ist keine perspektivische Verzerrung, das Ding ist wirklich so hoch.

Unser erster Kanal mündet in ein Wartungsbecken, wo mehrere Ausflugskähne lagern. Um besser arbeiten zu können, hat man einfach den Kanal unter der Brücke mit Sandsäcken abgedämmt und das Becken trocken gelegt.

Wir nutzen die Ruhe, um noch ein paar Erinnerungsfotos zu schießen. Wo die Touristenströme dicker sind, muß Jamaica nämlich ständig freundliche Bitten abschlagen, ob man nicht mit ihr für ein Foto posieren könne.

Es ist kalt genug, daß der See noch größtenteils zugefroren ist.
Im Hintergrund sieht man eine von mehreren Inseln. Fast alle davon haben irgend eine Palastanlage und sind in der Regel durch Brücken mit dem Festland verbunden.

Ein Blick zurück über den See, auf den Bergpalast, über den wir ursprünglich gekommen waren.

Als wir weiter um den See laufen, sehen wir über dem Wasser Drachen stehen. Keine Lenkdrachen, sondern klassische Drachen in abenteuerlichen Formen, die unglaublich hoch am Himmel stehen.

Auf einer der Brücken finden wir schließlich die Drachenflieger: etwa ein Dutzend ältere Herren, umgeben von vielen Zuschauern. Ihre umfangreiche Ausrüstung und die Art, wie sie in aller Ruhe daran basteln und miteinander schwatzen erinnern uns stark an Angler hierzulande.

Weiter unterwegs stoßen wir auf eine Statue mit einem Hinweisschild, welches für mich so typisch chinesisch ist, daß ich es einfach fotografieren muss:

Das Schild fordert den Leser nicht nur dazu auf, die historische Statue nicht zu beschädigen, sondern fordert selbiges (wortwörtlich) auch für den Zaun um die Statue ein.

Da es trotz aller Sonne sehr kalt ist, wärmen wir uns mit heißem Tee auf. Süßer Milchtee ist in Beijing fast überall im Straßenverkauf zu haben, schmeckt ziemlich gut und wärmt.

Als Abschluß überrede ich die Beiden noch dazu, gemeinsam Peking-Ente essen zu gehen, weil ich daran von meinem letzten Besuch sehr gute Erinnerungen habe.

Pappsatt und zufrieden gehen wir dann noch etwas spazieren, begleiten Jamaica zur U-Bahn und lassen den Tag in Ruhe ausklingen.

Ruhetag

Am nächsten Tag nehmen wir uns nichts Großes vor sondern entscheiden statt dessen, unserer alten Herberge von vor sieben Jahren einen Besuch abzustatten.

Da der strahlende Sonnenschein anhält, gehen wir einen Teil der Strecke zu Fuß.

An unserem Ziel angekommen, stellen wir fest, dass sich in sieben Jahren doch Einiges verändert hat.

Das hier ist die Straße vor unserer Herberge vor sieben Jahren (man möge das etwas verwaschene Foto entschuldigen):

Und das ist derselbe Ort heute:

Im Gedränge finden wir unsere damalige Herberge fast nicht, es gibt sie aber noch.

Wenn man dann um zwei Ecken biegt, sind plötzlich alle Touristen weg und man steht in einem ganz normalen Wohnviertel mit leeren Straßen.

Wir verbringen den Rest des Tages damit, zu schlendern, von irgendwelchen Spezialitäten zu kosten und lecker, aber scharf essen zu gehen.

Außerdem lernen wir, dass die vielziterte chinesische Höflichkeit, vor allem bei älteren Semestern, sich offenbar nicht auf's Schlange stehen erstreckt. Wenn sich ein Dutzend Leute um einen kleinen Spezialitätenbäcker drängen, braucht man Ellenbogen und eine laute Stimme, um etwas abzubekommen - wer sich höflich hinten anstellt, bleibt auch hinten (und hungrig).

Noch ein paar Eindrücke

Ein hübsch angepriesenes Café:

Ein kreativ angepriesenes Schnapsgeschäft:

Eine Johanna, die braucht nicht angepriesen zu werden.

Wir haben uns lange gefragt, warum die Räder von Fahrzeugen, welche in den Hutongs parken, fast immer irgendwie abgedeckt sind.

Wie sich herausstellt, bevorzugen die unzähligen kleinen Hunde, die es dort gibt (nein, Hunde stehen nur in Südchina auf der Speisekarte) statt Laternenpfählen die Räder parkender Autos für ihr Markierungsgeschäft - und das müffelt. Die Abdeckungen sollen dagegen helfen.

Das war's von Beijing, der nächste Reiseabschnitt wird als Folgeseite hoch geladen, sobald er fertig ist.